Überblick: Welche Stuhlarten ermöglichen ein ergonomisches Sitzen?

Kai, Redaktionsleitung

ergonomischer Schreibtischstuhl
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Den richtigen Stuhl für zu Hause zu finden, ist in der Regel kein großes Problem. Schließlich sitzt man beispielsweise im Esszimmer immer nur für eine recht kurze Zeit, da tut es auch der einfache Holzstuhl zum günstigen Preis. Anders verhält es sich aber etwa bei Bürostühlen. Das mehrstündige tägliche Sitzen am Arbeitsplatz ist eine unnatürliche Position, die ohne einen ergonomischen Stuhl zu Verspannungen, Rückenschmerzen oder sogar einem Bandscheibenvorfall führen kann. Rückenleiden haben sich daher zu einer Zivilisationskrankheit entwickelt. Heute leiden ca. 1/3 der 35-50-Jährigen unter chronischen Rückenschmerzen.

Mit den Gefahren für die Gesundheit geht eine sinkende Produktivität und Leistungsfähigkeit einher, weshalb ergonomische Bürostuhle heutzutage als absolutes Muss am Arbeitsplatz betrachtet werden. Zu den wesentlichen Bestandteilen eines Bürostuhls gehören Stuhlrollen und eine Rückenlehne.

Unter ergonomischen Gesichtspunkten ist es unerlässlich, durch zahlreiche Einstellungen die Möglichkeit zu haben, den Bürostuhl auf die individuellen Bedürfnisse einzustellen. Dazu zählen insbesondere die Einstellung der Sitzhöhe sowie die Neigung von Sitzfläche und Rückenlehne. Moderne Stühle ermöglichen zudem durch zahlreiche Federn, dass der Stuhl sich der Sitzposition anpasst, ohne dabei eine unergonomische Haltung zu fördern.

Das Thema Ergonomie am Arbeitsplatz rückte spätestens seit der Einführung von Sitzbällen in Büros als alternative Sitzmöglichkeit in den Mittelpunkt einer breiten Öffentlichkeit. Stundenlanges Sitzen auf einem nicht ergonomischen Bürostuhl in Kombination mit einer gesundheitsschädigenden Sitzposition fördern nicht nur Rückenschmerzen, sondern senken auch erwiesenermaßen die Arbeitsleistung. Da die Gesundheit der Angestellten zu den wichtigsten Gütern in einem Unternehmen zählt, ist es unerlässlich, bei der Auswahl von Büromöbeln darauf zu achten, dass zumindest ergonomische Grundstandards erfüllt werden.

Dennoch kann ein ergonomischer Bürostuhl nicht alleine für die Erhaltung der Gesundheit des Sitzenden ausreichen. Selbst der beste Stuhl ist nur so gut, wie der Benutzer, der darauf sitzt. Ohne eine gesunde Sitzposition sowie Bewegung beim Sitzen können bei längerem Sitzen Rückenschmerzen oder gar ein Bandscheibenvorfall auftreten.

Doch welche Stuhlart eignet sich nun am besten für ergonomisches Sitzen?

Es ist weniger die grundsätzliche Bauart, die über gesundes Sitzen entscheidet, als die verbauten Features. Um eine optimale Unterstützung des Rückens beim Sitzen zu ermöglichen, muss ein ergonomischer Stuhl beispielsweise eine verstellbare Rückenlehne besitzen, die den Oberkörper des Benutzers in jeder Phase des Sitzens unterstützt.

Wichtig ist, dass beim Zurücklehnen der Beckenkontaktverlust möglichst gering ist. Die goldene Regel lautet hier „Hintern nach hinten“. Dies bedeutet, dass man idealerweise mit dem Becken direkt an der Rückenlehne sitzt, um die Unterstützung des Lendenwirbelbereichs zu gewährleisten. Häufig geschieht dies durch Drehgelenke, die für eine Stützung des Bereiches rund um die Lendenwirbel sorgen.

Ein oft unterschätztes Feature ist die Möglichkeit, die Flexibilität der Rückenlehne anpassen zu können. Je nach Körpergewicht des Sitzenden sollte die Anpassungsfähigkeit der Stuhlrückenlehne anders gestaltet werden können, da schwerere Menschen einen höheren Widerstand benötigen. Unterschiedliche Sitzgewohnheiten sind ebenso zu berücksichtigen. Geteilte Rückenlehnen, bei denen die beiden Teile separat beweglich sind, fördern die Unterstützung des Rückens beim Sitzen, da der Körper des Sitzenden eine höhere Beweglichkeit beim Anlehnen hat.

Besonders wichtig: Die Polsterung

Die Polsterung eines Stuhls entscheidet darüber, ob uns schon nach kurzem Sitzen alles wehtut oder ob wir auch längere Zeit bequem sitzen können. Daher sollte hierauf ein besonderes Augenmerk gelegt werden.

Generell gilt: Fällt die Polsterung zu weich aus, kann das dazu führen, dass die Beweglichkeit stark eingeschränkt wird und der Körper „durchsitzt“, also letztendlich von der harten Unterlage abgestützt wird. Auf Dauer ist das nicht gut. Aber auch eine zu harte Polsterung wirkt sich auf Dauer negativ aus. Es ergibt sich eine ungleichmäßige bzw. unangenehme Druckverteilung, die zu Verspannungen und somit zu Schmerzen führen kann.

Der Mittelweg ist also die ideale Lösung! Die Polsterung sollte aus mehreren, unterschiedlichen Schichten bestehen, die oberste Schicht für einen guten Sitzkomfort eher weich, die unteren Stützschichten dagegen etwas härter. So ergibt sich nicht nur ein bequemes, sondern auch ein dauerhaft gesundes Sitzen.